Legionellen bei der Wärmepumpe und die richtige Warmwassertemperatur

Kaum ein Thema verunsichert Eigentümer beim Heizungstausch so zuverlässig wie die Frage nach Legionellen im Warmwasser. Im Netz kursiert die Zahl 60 Grad als vermeintliche Pflicht für jedes Haus. Für das selbstgenutzte Ein- oder Zweifamilienhaus stimmt das so nicht, und die Verwechslung kostet bares Geld.

Matthias Schmidt – Inhaber Ingenieurbüro Schmidt, Energieberater
Matthias Schmidt
Dipl.-Ing. & Gebäude-Energieberater
Person prüft Warmwassertemperatur am Regler neben Trinkwarmwasserspeicher und Wärmepumpen-Inneneinheit im Keller – KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein- und Zweifamilienhäuser sind von der Legionellen-Untersuchungspflicht ausdrücklich ausgenommen. Die Pflicht nach § 31 TrinkwV greift erst, wenn vier Voraussetzungen zusammenkommen.
  • Die Trinkwasserverordnung nennt für Ein- und Zweifamilienhäuser keine pauschale 60-Grad-Vorgabe. Enthält das Haus jedoch technisch eine Großanlage oder eine Warmwasserzirkulation, sind die entsprechenden Temperaturanforderungen des DVGW-Regelwerks zu beachten.
  • Großanlage bedeutet mehr als 400 Liter Speicherinhalt oder mehr als 3 Liter Wasservolumen in mindestens einer Trinkwasserleitung.
  • Für schlank ausgeführte Kleinanlagen nennt das DVGW-Regelwerk 50 Grad als untere Betriebstemperatur. Das Umweltbundesamt empfiehlt privaten Haushalten mindestens 55 Grad im Leitungssystem und 60 Grad am Austritt.
  • Die klassische Legionellenschaltung auf rund 70 Grad ist keine erforderliche Regelbetriebsweise. Der DVGW hält das regelmäßige Aufheizen über 60 Grad für nicht notwendig, das Umweltbundesamt nicht für eine sichere Variante des Legionellenschutzes.
  • Wer das Temperaturniveau von 48 auf 60 Grad anhebt und zusätzlich eine Zirkulation betreibt, drückt die Jahresarbeitszahl der Trinkwassererwärmung von 3,22 auf 2,19.
  • Nicht die Wärmepumpe ist das Risiko, sondern ein Speicherkonzept, das nicht zum niedrigen Systemtemperaturniveau passt.

Warum das Warmwasser bei der Wärmepumpe zum Streitpunkt wird

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Temperatur ist, die sie erzeugen muss. Beim Heizen lässt sich das gut ausnutzen. Beim Trinkwarmwasser stößt dieses Prinzip an eine Grenze, denn hier geht es nicht mehr um Behaglichkeit, sondern um Trinkwasserhygiene.

Legionellen vermehren sich stark in einem Temperaturfenster zwischen 25 und 45 Grad. Ab 50 Grad wird die Vermehrung wirksam gehemmt, oberhalb von 60 Grad sterben die Bakterien schnell ab. Das steht so in der DVGW-Information zu Energieeinsparungen im Warmwasserbereich (Stand März 2023).

Genau in diesem Fenster liegt der Zielkonflikt zwischen Effizienz und Hygiene. Die Wärmepumpe möchte niedrig bleiben, die Hygiene verlangt einen Mindestabstand nach oben. Wie groß dieser Abstand sein muss, hängt davon ab, welche Art von Anlage in Ihrem Haus steht. Diese Unterscheidung fehlt in fast jedem Ratgeber zum Thema, und sie ist der Grund, warum so viele Anlagen unnötig heiß laufen.

Ab wann Ihr Haus als Großanlage gilt

Die Trinkwasserverordnung unterscheidet nicht nach Heizungsart, sondern nach Anlagengröße und Nutzung. Die Begriffe Großanlage und Kleinanlage verwendet die Verordnung selbst nicht mehr, sie stammen aus dem DVGW-Regelwerk. Für die Legionellen-Untersuchungspflicht nennt § 31 TrinkwV vier Voraussetzungen, die alle gleichzeitig erfüllt sein müssen.

VoraussetzungInhalt
NutzungsartDas Trinkwasser wird im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben
AnlagengrößeSpeicher-Trinkwassererwärmer oder zentraler Durchfluss-Trinkwassererwärmer mit mehr als 400 Litern Inhalt, oder mehr als 3 Liter Inhalt in mindestens einer Trinkwasserleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle. Der Inhalt einer Zirkulationsleitung zählt dabei nicht mit
InstallationEs sind Duschen oder andere Einrichtungen vorhanden, in denen das Trinkwasser vernebelt wird
GebäudeartDie Wasserversorgungsanlage befindet sich nicht in einem Ein- oder Zweifamilienhaus

Für selbstnutzende Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses greift die Untersuchungspflicht nach § 31 TrinkwV regelmäßig schon aus zwei Gründen nicht: Das Trinkwasser wird nicht im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben, und § 31 Absatz 1 Nummer 3 nimmt Wasserversorgungsanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern ausdrücklich aus. Eine turnusmäßige Beprobung ist daher nicht vorgeschrieben. Anordnungen des Gesundheitsamts im Einzelfall nach § 61 TrinkwV bleiben davon unberührt.

Anders sieht es aus, wenn Sie ein Mehrfamilienhaus vermieten. Jede Vermietung ist nach § 2 TrinkwV eine gewerbliche Tätigkeit, unabhängig von der Zahl der Wohneinheiten. Sobald die Anlage zusätzlich die Größenschwelle überschreitet und Duschen vorhanden sind, greift die Untersuchungspflicht.

Wichtig:

Eine Ausnahme von der Untersuchungspflicht ist keine Ausnahme von der Sorgfalt. Ihre Anlage muss weiterhin hygienisch einwandfrei betrieben werden, nur eben ohne behördliches Prüfprogramm.

Welche Temperatur Ihre Anlage wirklich braucht

Die Zahl 60 Grad ist als verbindliche Vorgabe dem technischen Regelwerk für Großanlagen entnommen. Für Kleinanlagen ist sie keine Vorgabe, wohl aber eine Empfehlung des Umweltbundesamts. Im Netz wird beides regelmäßig verwechselt, und genau daraus entsteht der Eindruck einer Pflicht.

AnlagentypTemperaturvorgabeHerkunft
Großanlagemindestens 60 Grad am Ausgang des Trinkwassererwärmers, mindestens 55 Grad in der gesamten Zirkulation, höchstens 5 Kelvin AbweichungDVGW W 551, technisches Regelwerk
Kleinanlage, schlank ausgeführt50 Grad als untere BetriebstemperaturDVGW-Information, März 2023
Kleinanlage, Empfehlungmindestens 55 Grad überall im Leitungssystem, mindestens 60 Grad am Austritt des TrinkwassererwärmersUmweltbundesamt, Stand 22.01.2025
Dezentraler Kleinstspeicherkeine verbindliche Vorgabe, empfohlen mindestens 50 GradDVGW-Information, März 2023

Die Trinkwasserverordnung schreibt für das normale Ein- oder Zweifamilienhaus damit keine feste Temperatur vor. Sie verlangt in § 13 aber, Wasserversorgungsanlagen mindestens nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu betreiben, und dazu zählen die DVGW-Arbeitsblätter. Verbindlich ist also das technische Regelwerk, und das lässt bei schlanker Installation mehr Spielraum, als viele Anlagen heute nutzen.

Schlank bedeutet dabei konkret: kein Zirkulationssystem und höchstens 3 Liter Wasservolumen im Fließweg zwischen Erwärmer und der am weitesten entfernten Zapfstelle. Ein langer, unisolierter Strang in den Spitzboden kann diese Schwelle allein schon überschreiten. Das lässt sich nicht schätzen, das muss gerechnet werden.

Der umgekehrte Fall kommt im Bestand häufig vor. Hat Ihr Ein- oder Zweifamilienhaus eine Warmwasserzirkulation oder einen großen Speicher mit langen Leitungen, ist es technisch eine Großanlage. Dann sind laut DVGW die Temperaturvorgaben für Großanlagen einzuhalten, also 60 Grad am Ausgang und 55 Grad in der Zirkulation. An der fehlenden Untersuchungspflicht ändert das nichts, wohl aber an der nötigen Temperatur.

Das Umweltbundesamt legt in seinem Ad-hoc-Papier zu Trinkwarmwasserkonzepten (November 2023) für Ein- und Zweifamilienhäuser ein Niveau über 55 Grad nahe. Auf seiner Verbraucherseite zum Warmwasser empfiehlt es privaten Haushalten mindestens 55 Grad überall im Leitungssystem und mindestens 60 Grad am Austritt des Trinkwassererwärmers. Zwischen der regelwerkskonformen Untergrenze für schlanke Kleinanlagen und dieser Empfehlung liegen damit bis zu 10 Kelvin, über die sich sachlich diskutieren lässt.

Temperaturskala mit Legionellen-Wachstumszone und Vergleich der Anforderungen für Klein- und Großanlage – KI-generiertes Bild

Warum die Legionellenschaltung auf 70 Grad ausgedient hat

In vielen Anlagen läuft ein Programm, das das Warmwasser periodisch auf rund 70 Grad aufheizt. Eine solche Legionellenschaltung ist jedoch keine erforderliche Regelbetriebsweise. Der DVGW bewertet das regelmäßige Aufheizen auf Temperaturen oberhalb von 60 Grad aus hygienischer und energetischer Sicht als nicht notwendig und nicht sinnvoll. Das Umweltbundesamt betrachtet die Legionellenschaltung ebenfalls nicht als sichere Variante des Legionellenschutzes.

Bei Wärmepumpen kommt hinzu, dass hohe Warmwassertemperaturen die Effizienz verschlechtern. Je nach Wärmepumpenmodell kann für Temperaturen oberhalb von 60 Grad zusätzlich ein elektrischer Heizstab erforderlich sein.

Wirksam ist stattdessen die Kombination aus einem durchgängig ausreichenden Temperaturniveau, kurzen Leitungswegen und regelmäßigem Wasseraustausch. Eine Anlage, in der das Wasser oft genug bewegt wird, braucht keine thermische Schocktherapie.

Was höhere Temperaturen tatsächlich kosten

Die Diskussion um 50, 55 oder 60 Grad wirkt akademisch, bis man sie in Betriebskosten übersetzt. Dafür gibt es eine belastbare Zahl.

Das Umweltbundesamt zitiert für ein typisches Einfamilienhaus eine Beispielrechnung aus dem zugehörigen Forschungsbericht, die zeigt, was passiert, wenn das Temperaturniveau von 48 auf 60 Grad angehoben und gleichzeitig eine Zirkulation betrieben wird. Die isolierte Jahresarbeitszahl der Trinkwassererwärmung fällt von 3,22 auf 2,19. Endenergiebedarf und Energiekosten steigen dadurch um rund 15 Prozent (Umweltbundesamt, November 2023).

Aus drei Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom werden also gut zwei. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein Drittel der Effizienz im Warmwasserbereich, und es läuft jeden Tag mit.

Eine Warnung zur Einordnung: Diese Zahl gilt für genau diesen Fall, also die Kombination aus Temperaturanhebung und Zirkulation in einem Typgebäude. Eine allgemeine Faustformel pro Grad lässt sich daraus nicht ableiten, und wer sie Ihnen nennt, hat sie sich ausgedacht. Was Ihre Anlage konkret kostet, hängt von Speichergröße, Leitungsführung, Zapfprofil und Gerätetyp ab.

Warmwasser richtig auslegen statt pauschal hochdrehen

Wir prüfen Ihre Anlage auf Leitungsvolumen, Speicherkonzept und Temperaturniveau.

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Welches Speicherkonzept zum niedrigen Temperaturniveau passt

Der Zielkonflikt zwischen Hygiene und Effizienz lässt sich nicht wegdiskutieren, aber er lässt sich konstruktiv entschärfen. Der Hebel ist nicht die Temperatur, sondern die Frage, wie viel Trinkwasser überhaupt bevorratet wird.

KonzeptPrinzipWirkung auf die Hygiene
Speicher-TrinkwassererwärmerTrinkwasser wird bevorratet und beheiztGrößtes bevorratetes Volumen, deshalb höchste Anforderung an das Temperaturniveau
FrischwasserstationHeizungswasser im Puffer, Trinkwasser wird erst beim Zapfen im Durchfluss erwärmtSehr geringes stehendes Trinkwasservolumen
SpeicherladesystemExterner Wärmeübertrager lädt den TrinkwasserspeicherKein pauschaler Hygienevorteil; Speichergröße, Temperaturniveau und Leitungsführung bleiben entscheidend
Separate Trinkwasser-WärmepumpeEigenes Gerät nur für Warmwasser, häufig mit integriertem SpeicherEntkoppelt die Warmwasserbereitung von der Heizungs-Wärmepumpe; die Hygieneanforderungen an Speicher und Leitungen bleiben bestehen

Die Frischwasserstation reduziert das bevorratete warme Trinkwasservolumen, weil das Trinkwasser erst bei der Entnahme erwärmt wird. Besonders günstig ist eine entnahmenahe Anordnung mit kurzen und volumenarmen Leitungswegen. Lange nachgeschaltete Warmwasserleitungen können dagegen weiterhin zu längeren Verweilzeiten führen. Der Heizkreis für die Räume kann dabei niedrig fahren. Das Heizwasser vor der Frischwasserstation muss laut Umweltbundesamt allerdings dauerhaft auf dem für das Warmwasser benötigten Niveau gehalten werden, was Verluste verursacht, wenn auch geringere als eine klassische Zirkulationsleitung.

Für den Bestand interessant ist die separate Trinkwasser-Wärmepumpe. Sie hängt nicht am Heizkreis, sondern erzeugt Warmwasser eigenständig, meist aus der Kellerluft. Die Hygieneanforderungen an Speicher und Leitungen entfallen dadurch nicht, denn solche Geräte haben häufig einen integrierten Warmwasserspeicher. Das Umweltbundesamt hält sie für Ein- und Zweifamilienhäuser für gut geeignet, weil dort in aller Regel genug Kellerraum vorhanden ist. Als Nachrüstlösung hat sie den Vorteil, dass die Heizungs-Wärmepumpe unangetastet bleibt und weiter mit niedriger Vorlauftemperatur fahren kann. Wie Ihr Altbau für die Wärmepumpe grundsätzlich aufgestellt ist, klärt vorab unser Ratgeber zur Wärmepumpe im Altbau.

Was sich mit der Neufassung des Regelwerks ändern könnte

Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 wird derzeit überarbeitet. Ein zweiter Entwurf mit dem Titel „Hygiene in der Trinkwasserinstallation, Teil 1“ wurde im Mai 2026 veröffentlicht, die Einspruchsfrist endete am 31. Juli 2026. Das geht aus der DVGW-Themenseite zur Vermeidung von Legionellen hervor.

Das Inhaltsverzeichnis des Entwurfs führt neben den Temperaturanforderungen für die Betriebsweise 60 Grad und 55 Grad einen eigenen Abschnitt für eine Betriebsweise 55 Grad und 50 Grad auf, dazu einen Abschnitt zu Temperaturanforderungen bei Kleinanlagen. Käme eine solche zweite Betriebsweise, wäre das für Wärmepumpen ein spürbarer Gewinn.

Entscheidend ist die Einordnung: Es handelt sich weiterhin um einen Entwurf, dessen finale Verabschiedung wir nicht bestätigen können. Wer heute eine Anlage auslegt, plant nach dem geltenden Regelwerk, nicht nach einem Entwurfsstand. Sinnvoll ist es aber, die Installation so vorzubereiten, dass sie von einer Lockerung später profitieren kann.

Typische Fehler im Bestand

Die folgenden Punkte tauchen in der Praxis immer wieder auf, und die meisten kosten Geld, ohne die Hygiene zu verbessern.

  1. Die Großanlagen-Vorgabe wird ungeprüft als Zwang behandelt. 60 Grad werden eingestellt, ohne dass jemand geprüft hat, ob die Anlage die Schwellenwerte überhaupt erreicht und welches Niveau für sie sachlich nötig ist.
  2. Die Legionellenschaltung läuft aus Gewohnheit mit. Sie wird bei der Inbetriebnahme aktiviert und nie hinterfragt, obwohl hohe Warmwassertemperaturen die Effizienz verschlechtern und je nach Wärmepumpenmodell zusätzlich ein elektrischer Heizstab erforderlich sein kann.
  3. Die Temperatur wird abgesenkt, ohne die Hydraulik neu zu prüfen. Der DVGW weist darauf hin, dass sich dabei Zirkulationsregulierventile öffnen und undefinierte Stagnationszonen entstehen. Wie ein sauberer hydraulischer Abgleich abläuft, haben wir separat beschrieben.
  4. Der Warmwasserbereich wird bei Umbauten stillgelegt, aber weder gespült noch abgesperrt. Das erzeugt neue hygienische Risiken, statt Energie zu sparen.
  5. Die Temperatur wird pauschal hochgesetzt, um sicherzugehen. Die konstruktiven Alternativen werden gar nicht erst geprüft, und die Jahresarbeitszahl zahlt dauerhaft dafür.

Der rote Faden dabei ist immer derselbe. Es wird an der Temperatur gedreht, weil das die einzige Stellschraube ist, die man ohne Planung erreicht. Die wirksamen Hebel liegen in der Anlagenkonfiguration, und die gehört vor den Kauf, nicht danach.

Fazit

Für das selbstgenutzte Ein- oder Zweifamilienhaus besteht keine turnusmäßige Legionellen-Untersuchungspflicht, und die Trinkwasserverordnung nennt keine pauschale Temperaturvorgabe von 60 Grad. Die Anlage muss jedoch nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben werden. Enthält das Gebäude technisch eine Großanlage oder eine Warmwasserzirkulation, sind deshalb die entsprechenden DVGW-Temperaturanforderungen zu beachten. § 13 TrinkwV verlangt ausdrücklich den Betrieb nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Was bleibt, ist die Verantwortung für einen hygienisch einwandfreien Betrieb, und die erfüllt man über Leitungsführung, Speicherkonzept und ein sinnvoll gewähltes Temperaturniveau, nicht über die höchstmögliche Einstellung.

Die Zahlen zeigen, dass sich diese Unterscheidung lohnt. Wer unnötig auf 60 Grad fährt und zusätzlich zirkuliert, verliert im Warmwasserbereich rund ein Drittel der Effizienz. Umgekehrt ist blindes Absenken ohne Blick auf Leitungsvolumen und Hydraulik keine Lösung, sondern ein Risiko.

Welches Konzept für Ihr Haus passt, entscheidet sich an Ihrem konkreten Gebäude. Einen Überblick über die Entscheidungen rund um die neue Heizung gibt unser Leitfaden zur Heizungsmodernisierung. Wie die Anlage richtig dimensioniert wird, klärt vorab die Heizlastberechnung, und welche Zuschüsse beim Heizungstausch möglich sind, steht in unserem Beitrag zur KfW-Förderung 458.

Häufige Fragen

Brauche ich im Einfamilienhaus wirklich 60 Grad Warmwasser?

Nein. Die 60 Grad sind eine Vorgabe des technischen Regelwerks für Großanlagen. Ein- und Zweifamilienhäuser werden grundsätzlich den Kleinanlagen zugeordnet. Enthält das Gebäude jedoch eine Zirkulation, einen großen Trinkwasserspeicher oder entsprechend große Leitungsvolumina, sind die Temperaturanforderungen für Großanlagen zu beachten. Für schlank ausgeführte Kleinanlagen nennt das DVGW-Regelwerk 50 Grad als untere Betriebstemperatur. Das Umweltbundesamt empfiehlt privaten Haushalten mindestens 55 Grad überall im Leitungssystem und mindestens 60 Grad am Austritt des Trinkwassererwärmers.

Muss ich mein Trinkwasser auf Legionellen untersuchen lassen?

Als selbstnutzender Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses nicht. § 31 TrinkwV setzt vier Voraussetzungen gleichzeitig voraus, und eine davon verlangt ausdrücklich, dass die Anlage nicht in einem Ein- oder Zweifamilienhaus steht. Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus mit entsprechend großer Anlage und Duschen sieht die Lage anders aus. Anordnungen des Gesundheitsamts im Einzelfall nach § 61 TrinkwV bleiben davon unberührt.

Ist die Legionellenschaltung bei einer Wärmepumpe sinnvoll?

Das periodische Aufheizen auf rund 70 Grad ist keine erforderliche Regelbetriebsweise. Der DVGW bewertet das regelmäßige Aufheizen über 60 Grad als hygienisch und energetisch nicht notwendig, das Umweltbundesamt hält es nicht für eine sichere Variante des Legionellenschutzes. Je nach Wärmepumpenmodell kann für Temperaturen oberhalb von 60 Grad zusätzlich ein elektrischer Heizstab nötig sein, was den Betrieb verteuert.

Was kostet es, das Warmwasser höher einzustellen?

Für ein typisches Einfamilienhaus nennt das Umweltbundesamt eine Beispielrechnung, nach der die Jahresarbeitszahl der Trinkwassererwärmung von 3,22 auf 2,19 sinkt, wenn das Niveau von 48 auf 60 Grad steigt und zusätzlich eine Zirkulation läuft. Endenergiebedarf und Kosten steigen dadurch um rund 15 Prozent. Eine allgemeine Formel pro Grad gibt es nicht, der Wert hängt von der konkreten Anlage ab.

Welches Speicherkonzept passt am besten zur Wärmepumpe?

Konzepte mit wenig stehendem Trinkwasser passen am besten, weil sie den Hygieneanspruch entschärfen, ohne die Temperatur anzuheben. Die Frischwasserstation erwärmt das Trinkwasser erst beim Zapfen. Eine separate Trinkwasser-Wärmepumpe entkoppelt die Warmwasserbereitung vollständig vom Heizkreis und eignet sich laut Umweltbundesamt gut für Ein- und Zweifamilienhäuser mit ausreichend Kellerraum.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Inhalte sorgfältig geprüft, dennoch ohne Gewähr. Änderungen vorbehalten.

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Matthias Schmidt – Inhaber Ingenieurbüro Schmidt, Energieberater

Über den Autor

Matthias Schmidt

Als Bauingenieur (Dipl.-Ing. FH) und zertifizierter Energieberater habe ich jahrelang Sanierungen in der Region Köln und Duisburg begleitet. Mit der Gründung meines Ingenieurbüros habe ich diese Expertise gebündelt, um mein Wissen gezielt für die Förderprojekte von Hausbesitzern einzusetzen.

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