Das Wichtigste in Kürze
- Außendämmung ist in den meisten Altbauten die bauphysikalisch bessere Wahl – der Taupunkt liegt außerhalb der Wand, das Mauerwerk bleibt trocken und speichert Wärme.
- Innendämmung ist berechtigt bei Denkmalschutz, Sichtfassaden, Grenzbebauung oder einzelnen Räumen – braucht aber zwingend einen schlagregendichten Außenputz.
- Kosten-Richtwerte: WDVS 150–250 €/m², hinterlüftete Fassade 250–400 €/m², Einblasdämmung 25–50 €/m², Innendämmung 100–200 €/m².
- BAFA-Förderung: 15 % Zuschuss, mit individuellem Sanierungsfahrplan 20 %. Pflicht-U-Wert: ≤ 0,20 W/(m²K) (Baudenkmal 0,45, Sichtfachwerk Innendämmung 0,65).
- Größtes Risiko bei Innendämmung: Tauwasser im Mauerwerk, wenn die Fassade außen nicht dicht ist.
- Entscheidend ist die Ausführung: Anschlüsse, Dübelbilder und Materialkombinationen bestimmen, ob die Dämmung 40 Jahre hält oder nach 5 Jahren Schäden zeigt.
Die bauphysikalischen Grundlagen – warum der Taupunkt alles entscheidet
Der zentrale Unterschied zwischen Außen- und Innendämmung liegt in einer Größe, die man nicht sieht: dem Taupunkt. Das ist die Stelle in der Wand, an der warme Raumluft abkühlt und Wasser ausfällt. Bei einer Außendämmung liegt dieser Punkt außerhalb des Mauerwerks – die Wand bleibt trocken und dient als Wärmespeicher, der Temperaturschwankungen dämpft.
Bei einer Innendämmung verschiebt sich der Taupunkt nach innen, zwischen Dämmung und Außenwand. Dort kann sich Tauwasser sammeln, wenn die Fassade nicht absolut schlagregendicht ist.
Hinzu kommt: Die Wand verliert ihre Speichermasse zum Raum hin. Der Raum heizt sich schneller auf, kühlt aber genauso zügig wieder aus. An allen Stellen, an denen Innenwände oder Decken in die Außenwand einbinden, entstehen Wärmebrücken, die einzeln flankiert werden müssen.
Außendämmung – Umsetzung, Kosten und typische Probleme
Umsetzung: WDVS, hinterlüftete Fassade oder Einblasdämmung
Drei Systeme dominieren die Praxis. Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist der Standard bei Putzfassaden: Dämmplatten werden flächig verklebt und zusätzlich gedübelt, darüber kommen Armierungsgewebe und Oberputz.
Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) nutzt eine Unterkonstruktion mit Dämmebene und einem Luftspalt dahinter. Die sichtbare Bekleidung (Holz, Faserzement, Klinkerriemchen) ist austauschbar und diffusionsoffener als ein WDVS.
Die Einblasdämmung ist die dritte Variante und die günstigste: Sie funktioniert, wenn zwischen zwei Mauerwerksschalen ein Hohlraum besteht. Ein hydrophober Dämmstoff wie Mineralwolle-Granulat oder EPS-Perlen wird mit Druck lückenlos eingebracht.
Zellulose ist hier nicht zugelassen, weil sie nicht wasserabweisend ist. Details zu allen drei Systemen finden Sie in unserem Überblick zur Fassadendämmung.
Kosten: realistische Richtwerte pro Quadratmeter
| System | Preis pro m² (inkl. Montage) |
|---|---|
| Einblasdämmung (Kerndämmung zweischaliges Mauerwerk) | 25–50 € |
| Wärmedämmverbundsystem (WDVS) | 150–250 € |
| Vorgehängte hinterlüftete Fassade | 250–400 € |
Die Bandbreiten sind nicht beliebig. Gerüst, Untergrundvorbereitung, Fenster- und Sockelanschlüsse, Dämmstoffdicke und Regionalpreise verschieben den Endpreis deutlich. Angebote unter 100 €/m² für ein WDVS sind in der Regel reine Materialpreise ohne Lohnkosten – ein Warnsignal, keine Gelegenheit.
Typische Probleme in der Praxis
Algen auf der Fassade sind der häufigste optische Mangel. Ursache ist nicht die Dämmung als solche, sondern die Physik: Der Oberputz kühlt nachts stark aus, Tauwasser schlägt sich nieder, Mikroorganismen siedeln sich an. Algenhemmende Putze und eine saubere Sockelabdichtung helfen, können das Problem aber nicht vollständig ausschließen – vor allem an Nord- und Ostwänden.
Dübelabzeichnung, auch „Ghosting” genannt, zeigt sich als Punktraster auf der Fassade, wenn Dübel thermisch anders reagieren als die umgebende Dämmung. Zugelassene Dübelbilder und versenkte Schraubdübel mit Dämmscheibe verhindern das.
Die kritischsten Stellen sind die Anschlüsse: Fensterlaibungen, Sockel, Dach- und Balkonanschluss. Wer hier spart, produziert Wärmebrücken, die am Ende die eingesparte Heizenergie wieder aufzehren.

Innendämmung – Umsetzung, Kosten und typische Probleme
Umsetzung: Kalziumsilikat, Holzfaser oder Verbundplatten
Drei Systeme prägen die Innendämmung. Kapillaraktive Kalziumsilikatplatten sind der Standard für feuchtekritische Altbauwände. Sie nehmen Tauwasser auf und geben es zurück an den Raum. Pflicht sind silikatbasierte Farben und Putze – eine normale Dispersionsfarbe verstopft die Poren und macht das System wirkungslos.
Holzfaserdämmplatten sind diffusionsoffen und eignen sich besonders für Fachwerk, brauchen aber raumseitig eine feuchtevariable Dampfbremse, die im Winter dicht und im Sommer durchlässig ist.
Verbundplatten mit Mineralwolle- oder EPS-Kern und Gipskartonvorsatz sind einfach zu montieren, verzeihen aber keine Fehler an den Anschlüssen. Alle drei Varianten setzen eine trockene Außenwand und eine bauphysikalische Planung voraus.
Bei Fachwerk und feuchtekritischen Wänden verlangt die BAFA in der Regel einen instationären hygrothermischen Nachweis (WUFI-Simulation), der das Feuchteverhalten der Konstruktion über Jahre realistisch abbildet – ohne diesen Nachweis gibt es keine Förderung.
Kosten: was Innendämmung realistisch kostet
Innendämmung liegt zwischen 100 und 200 €/m² inklusive Montage. Kalziumsilikatsysteme bewegen sich am oberen Ende, Holzfasersysteme mit Dampfbremse ebenso. Hinzu kommen Nebenarbeiten, die bei einer Außendämmung nicht anfallen: Elektroinstallationen versetzen, Heizkörper abmontieren, Sockelleisten und Türzargen anpassen, Tapeten und Putze im Nachgang erneuern.
Wer nur die Rückwand einer Heizkörpernische dämmt, kommt mit wenigen hundert Euro aus. Vollflächig ausgeführt, mit Bauphysik-Gutachten und sauberer Ausführung an den Anschlüssen, landet ein typisches Einfamilienhaus schnell im mittleren fünfstelligen Bereich – oft nicht viel günstiger als eine Außendämmung.
Typische Probleme: was bei Innendämmung schiefgeht
Der häufigste Schadensfall ist Tauwasser im Mauerwerk. Bedingung für eine funktionierende Innendämmung ist ein schlagregendichter Außenputz. Ist die Fassade rissig, haben offene Fugen oder schadhafte Putzflächen – dringt Wasser von außen ein und kann durch die Innendämmung nicht mehr nach innen abtrocknen. Das Ergebnis sind Frostschäden und Schimmelbildung, oft erst nach Jahren sichtbar.
Wärmebrücken an einbindenden Innenwänden und Decken sind praktisch unvermeidbar. Eine flankierende Dämmung von 30 bis 50 cm in die angrenzenden Bauteile hinein ist Pflicht, sonst sammelt sich Kondensat an der kalten Stelle. Hinzu kommt der Raumverlust: Je nach Dämmstärke gehen 4 bis 10 cm pro Außenwand verloren – in kleinen Räumen messbar.

Wann Außen, wann Innen – die Entscheidungshilfe
Die Außendämmung ist in den meisten Fällen die Standardempfehlung, wenn die Fassade nicht erhaltenswert ist und der Grenzabstand eine zusätzliche Dämmstärke erlaubt. Innendämmung kommt dort ins Spiel, wo Außendämmung technisch oder rechtlich nicht infrage kommt:
- Denkmalgeschützte oder erhaltenswerte Sichtfassaden (Klinker, Sichtfachwerk, Natursteinfassade)
- Grenzbebauung, bei der eine zusätzliche Dämmstärke außen nicht möglich ist
- Einzelne Räume als Notlösung – heikel, weil zu den ungedämmten Nachbarräumen starke Wärmebrücken entstehen; nur mit flankierender Dämmung an den einbindenden Innenwänden sinnvoll
- Fachwerkhäuser, bei denen der sichtbare Balkenspiegel erhalten bleiben muss
Für zweischaliges Mauerwerk mit ausreichend breitem Hohlraum ist die Einblasdämmung oft die wirtschaftlichste und schnellste Lösung. Der Hohlraum ist in vielen Altbauten allerdings zu schmal, um den BAFA-U-Wert von 0,20 W/(m²K) zu erreichen.
Für solche Fälle greift eine Sonderregel der BEG: Bei technisch begrenzter Dämmschichtdicke wird statt des U-Werts die Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs bewertet – λ ≤ 0,035 W/(m·K) ist dann die Anforderung (TMA BEG EM, BAnz AT 29.12.2023 B1). Ob Hohlraum und Dämmstoff passen, prüft der Energieeffizienz-Experte vor Antragstellung.
Außendämmung, Innendämmung oder Einblasdämmung?
Unverbindliche Erstberatung zu Ihrer Fassade – bauphysikalisch geprüft, förderoptimiert.Kontakt aufnehmen
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Förderung in Kürze
Die BAFA fördert Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle mit 15 % Zuschuss der förderfähigen Kosten, maximal 30.000 € pro Wohneinheit. Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) steigt der Satz auf 20 %, die Förderbasis verdoppelt sich auf 60.000 € pro Wohneinheit.
Pflicht ist ein U-Wert von ≤ 0,20 W/(m²K) für die geförderte Fassadendämmung – außen wie innen. Ausnahmen gelten für denkmalgeschützte oder erhaltenswerte Bausubstanz (0,45 W/(m²K)) und für Innendämmung hinter sichtbarem Fachwerk (0,65 W/(m²K)) (BEG EM, TMA Bauteilgruppe Außenwände).
Alternative ist der Steuerbonus nach § 35c EStG: 20 % der Kosten verteilt auf drei Jahre (7/7/6 %), maximal 40.000 € Steuerermäßigung pro Objekt. BAFA-Zuschuss und Steuerbonus sind für dieselbe Maßnahme nicht kombinierbar.
Wer die Gesamtkosten finanzieren will, kann nach BAFA-Zusage zusätzlich den KfW-Ergänzungskredit 358/359 bis 120.000 € nutzen. Eine saubere Prüfung der Varianten übernimmt unsere Förderberatung.
Häufige Fragen zu Außen- und Innendämmung
Warum ist Außendämmung oft besser als Innendämmung?
Weil der Taupunkt außerhalb des Mauerwerks liegt. Die Wand bleibt trocken, speichert Wärme und ist vor Frost und Schlagregen geschützt. Wärmebrücken an einbindenden Innenwänden und Decken fallen weg. In den meisten Altbauten ist Außendämmung technisch und wirtschaftlich die sauberere Lösung – unter der Voraussetzung, dass die Fassade nicht erhaltenswert ist.
Warum gelten Innendämmungen als kritisch?
Weil sich der Taupunkt nach innen verschiebt. Zwischen Dämmung und Außenwand kann Tauwasser ausfallen, wenn die Fassade außen nicht schlagregendicht ist. Hinzu kommen unvermeidbare Wärmebrücken an allen einbindenden Bauteilen. Eine Innendämmung ohne bauphysikalische Planung ist ein Schadensfall auf Raten – mit Planung und geeignetem System funktioniert sie aber zuverlässig.
Wie viel Sinn macht eine Außendämmung wirklich?
Bei einem ungedämmten Altbau senkt eine Fassadendämmung die Heizenergie häufig um 20 bis 30 %. Wirtschaftlich rechnet sie sich am klarsten, wenn die Fassade ohnehin saniert werden muss – dann bleiben nur die Mehrkosten der Dämmebene. Ein individueller Sanierungsfahrplan rechnet die Amortisation unter Berücksichtigung von Förderung und Energiepreisen durch.
Welche Nachteile hat eine Fassadendämmung?
Höhere Investitionskosten, Algenneigung vor allem an Nord- und Ostwänden, Abhängigkeit von sauberer Ausführung an allen Anschlüssen. Ein einmal verklebtes und verdübeltes WDVS ist schwer reversibel.
Die hinterlüftete Fassade ist teurer in der Unterkonstruktion, dafür bleibt die Fassadenbekleidung austauschbar. Eine tiefere Übersicht über alle Dämmebenen im Haus liefert unser Leitfaden zur Dämmung des Hauses.





